Ein Weiher, tief im Waldes-Dickicht auf der Insel Samotraki, die Sonne bricht in Streifen durch Baum und Strauch. Die Griechen haben zwar ihren Wald, aber nicht ihre Sprache verloren.
LANDUNG Der Fisch kam zu mir / augenlos / im Traum / drückte mir sein Maul ins Ohr, daß ich / schräg hingleitend, / die Klippe fand
Bleich / zwischen den Lippen der See / unterm Geschnalz der Wellen schimmernd das Meersalz im Haar / entstieg ich den Fingern den Zähnen der See
Traum und Tasten der Hände / Tabak und Taue / tumber Tuffstein Tintenfisch, Trübes / und ein / timpehelles Timp-Timp vor den schrägen Augen / der Haifische (aus: „Hamburger Anthologie“, Marion von Schröder, 1965)
Hier das Gegenstück zum griechischen Weiher, auch hier das Lichter-Spiel, in der Boberger Dünenlandschaft, Urstromtal der Elbe, zehn Minuten von unserer Etagenwohnung, der Mäusebussard steht in der Luft, der Eichelhäher rollt die Augen, die Grünspechte lachen und auf dem Badesee kreuzen schwarz mit weissem fleck die Blässhühner, tunken die Haubentaucher.
In Zeilen bündeln sich Energien. Worte und Fügungen können ansteckend sein. Alles wird in ein neues Licht getaucht. Sprache vermittelt nicht nur Stimmungen. Sie spornt an, im Kick zu handeln, den dir die auf und ab schwingenden Wortmelodie gibt. Hier einige WF-Lyrik-Titel -Aus Gebüsch, unter dem wir liegen - Blasse Beute in der bunten Bahn - Das Kinn weich in die Beuge des Armes gestützt - Die Katze wirft sich mit dir auf die Lagerstatt - Die Wärme will ich dir nehmen, die Sonne (Elena Nikolajevskaja) - Di ora in ora - Von Zeit zu Zeit (Meine ägyptische Braut) - Eine so beglückte Einheit des Weltempfindens - Eine Stunde stand ich am gestaltlosen Meer - - Frühling, dicht bei der Rabenstraße - Geheime Worte (Jemilian Bukow) Worthandwerker haben wir es schwer - Es im Sprung zu sehen das Leben als Wolfshundbotschaft
Der Künstler ist das Genie der Mitteilung Wenn dir Unheimliches begegnet, so bleibe ganz ruhig. Was im Leben uns geschenkt wird, kommt unerwartet. - - Der Schriftsteller aus Triest Italo Svevo bemerkte, als er in Paris war, daß keiner den Hunden einen Blick schenkte. als Svevo nun anfing, die Hunde zu beobachten, waren diese überhaupt nicht damit einverstanden. Ja, anders wahrnehmen, denken, fühlen - als die anderen.
Licht- und Schattenspiel der kurz verbrachten schönen Tage. Man kann sein Leben damit hinbringen, alles zu bewundern (Goethe). Wer Formen fühlt, ist ein Liebender (Rudolf Borchardt)
Paula Modersohn-Becker steht für ein kurzes, heftiges kreatives Leben. Sie litt unter enger Luft, wollte hinaus ins Freie, auch in der Kunst. Als 10jährige war sie beim Spielen verschüttet worden, konnte gerettet werden (erlitt Sauerstoffmangel im Gehirn). Ihre Cousine überlebte nicht. - Man muss in der Kunst "die Geschicklichkeit" brechen, sagt Cézanne, und Ernst Bloch sprach davon, dass, wenn der Lack springt, die Kunst gewinnt. - Wir können immer nur unser wahres Wesen mit anderen teilen. Wer erwartet Einschwingen, Einfühlung?
Längst haben wir SAPPHO auf ihrer Zauber-Insel hinter uns gelassen - Hier mein Pegasus-Gedicht Der Medienhengst Alle greifen nach dir / du fliegst vorbei / deine Schwungfedern sind echt aber die Beine / aus Sperrholz zurechtgesägt/ - ergänzt sind die Gelenke / handgenietet oder vernagelt, / (wie von Bastler- oder von Kinderhand) - Aber eigentlich / erwarten wir nur dich, Pegasus, selbst. / Was wir bisher sahen / war nur der Vorbeiflug / eines von Hand gezogenen Modells im Flimmern und Huschen / des allzu nahen Fernsehbildes Komm zurück, Pegasus! - Im Rauschen der Satellitenfrequenzen / harren wir aus, / wir warten auf / den Flügelpferd-Ruf. - / Hören wir schon / dein himmelöffnendes Wiehern, / du Räume öffnendes Musenroß? / Du ungestümer, / Grenzen überspringender Flügelhengst: / Mache die Welt neu für uns / leuchtend in Morgenröte. - - Fliege herbei, Pegasus, / sei der, im Sprunge, der geistsprühend / der uns trägt: - überallhin

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